Autorin: Nancy, PANews
Mit dem Ende des Oktobers legen börsennotierte Unternehmen nach und nach ihre Quartalsberichte für das dritte Quartal vor. Der US-amerikanische Social-Trading-Broker Robinhood überraschte mit einem äußerst starken Geschäftsbericht: Umsatz und Gewinn erreichten jeweils neue Rekorde, die Diversifizierungsstrategie zeigt erste Erfolge und der Konzern beschleunigt seinen Wandel zum FinTech-Unternehmen. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen fiel der Aktienkurs von Robinhood nach der Veröffentlichung jedoch gegen den Trend.
Kryptohandel als zentrale Wachstumssäule – Vorhersagemärkte als neuer Treiber
Im dritten Quartal 2025 legte Robinhood ein herausragendes Ergebnis vor: Der Gesamtumsatz stieg um 100 % auf 1,27 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn wuchs um 271 % auf 556 Millionen US-Dollar und der verwässerte Gewinn je Aktie (EPS) kletterte um 259 % auf 0,61 US-Dollar. Zugleich gewann die Plattform im Berichtsquartal 2,5 Millionen neue Depotkonten und kommt damit auf insgesamt 26,8 Millionen Konten. Die Zahlen zeigen deutlich, dass Robinhood Jahre nach dem Abflauen der anfänglichen „Null-Provision“-Euphorie einen neuen Wachstumspfad gefunden hat und sich vom reinen Handelsplatz zu einem diversifizierten FinTech-Konzern wandelt.
Trotz des kräftigen Wachstums bei Umsatz und Gewinn blieben die Ergebnisse knapp unter den Markterwartungen. Entsprechend fiel der Aktienkurs nach der Veröffentlichung – ein Zeichen für die Sorgen der Anleger hinsichtlich der Nachhaltigkeit der künftigen Erträge.
Strukturell setzt sich der Umsatz von Robinhood aktuell wie folgt zusammen: Transaktionsgebühren (57 %), Nettozinsüberschuss (36 %) sowie Abonnement- und sonstige Einnahmen (7 %). Der Kryptowährungshandel war dabei die zentrale Wachstumsquelle des Quartals. Der Umsatz aus diesem Segment belief sich auf 268 Millionen US-Dollar, ein Plus von über 300 % im Jahresvergleich, und machte mehr als ein Drittel der gesamten Transaktionsgebühren aus.
Robinhood hat sein Krypto-Geschäft in diesem Jahr durch den Erwerb der Börse Bitstamp und eine Partnerschaft mit dem Vorhersagemarkt Kalshi erweitert. Beide Initiativen trugen maßgeblich zum Umsatzsprung bei und werden nun als eine der Hauptgeschäftslinien mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen US-Dollar geführt. Die Erholung des Kryptomarktes beflügelte die Aktivität von Privatanlegern und institutionellen Kunden, die Übernahme von Bitstamp brachte zusätzliche Einnahmen aus institutionellen und derivativen Geschäften, und der Start des Vorhersagemarktgeschäfts zog zahlreiche neue Nutzer an – all das trieb den Kryptoumsatz nach oben. Allerdings blieb dieser leicht unter der Markterwartung von 287,2 Millionen US-Dollar.
Die Übernahme von Bitstamp führte zu einem deutlichen Volumenanstieg. Laut Geschäftsbericht belief sich der nominelle Handelswert von Kryptowährungen auf der Robinhood-Plattform im Oktober auf über 32 Milliarden US-Dollar, wovon allein 18 Milliarden US-Dollar auf Bitstamp entfielen (überwiegend institutioneller Handel). Bitstamp soll zudem künftig als zentrale Plattform für Robinhoods geplantes Geschäft mit tokenisierten Aktien dienen. Allerdings generieren Bitstamps institutionelle Handelsgeschäfte zwar ein enormes Volumen, aber aufgrund der vergleichsweise niedrigen Gebührensätze nur begrenzte Einnahmen – was wiederum Fragen zur Nachhaltigkeit des Umsatzwachstums aufwirft.
Parallel entwickelte sich das Geschäft mit Vorhersagemärkten dynamisch: Im dritten Quartal verdoppelte sich das Handelsvolumen an Vorhersagekontrakten im Vergleich zum Vorquartal auf 2,3 Milliarden Einheiten (jede Einheit entspricht 1 US-Dollar) und machte das Segment nach Aktien und Optionen zur drittaktivsten Handelskategorie. Im Oktober erreichte das Volumen sogar 2,5 Milliarden US-Dollar; Robinhood rechnet für diesen Monat mit einem Gewinn von rund 25 Millionen US-Dollar aus diesem Bereich.
Neben Krypto- und Vorhersagemärkten stieg der Umsatz aus Aktienhandel um 132 %, der aus Optionsgeschäften um 50 %. Diese Handelsgeschäfte gelten jedoch als stark zyklisch. Charles Bendit, Analyst bei Rothschild & Co Redburn, stufte Robinhood mit „Verkaufen“ ein und argumentierte, das Unternehmen zeige zwar eine hervorragende Produktumsetzung, die aktuellen Ergebnisse könnten jedoch den Höhepunkt eines Zyklus widerspiegeln – während die Bewertung implizit bereits eine langfristige Stabilität voraussetzt, die bislang noch nicht belegt ist.
Robinhood als Überraschungsgewinner im S&P 500 – Bank- und Investmentgeschäft in Vorbereitung
2025 avancierte Robinhood zu einer der herausragendsten Aktien im S&P 500 – ihr Kurs stieg seit Jahresbeginn um über 222 % und übertraf damit den Nasdaq-100-Index deutlich. Dieser starke Kursverlauf basiert nicht nur auf der Anerkennung der Wachstumsgeschichte durch den Markt, sondern vor allem auf der kontinuierlich übertroffenen Geschäftsentwicklung.
Tatsächlich hat Robinhood seit dem Start seines Aktienrückkaufprogramms im Jahr 2024 bereits eigene Aktien im Wert von rund 810 Millionen US-Dollar zurückgekauft. Zugleich wurde im dritten Quartal das langfristige Anreizprogramm von CEO Vlad Tenev vollständig ausgezahlt: Sollte der Aktienkurs von Robinhood im Jahr 2025 die Marke von 101,50 US-Dollar pro Aktie erreichen, erhalten beide Gründer jeweils 13,8 Millionen Aktien. Derzeit beträgt Tenevs jährliches Bar-Grundgehalt lediglich 40.000 US-Dollar.
Die solide finanzielle Lage von Robinhood bietet zudem ausreichend Spielraum für die weitere Diversifizierung. Der Geschäftsbericht zeigt, dass Robinhood zum Quartalsende über 4,3 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und gleichwertigen Vermögenswerten verfügte; das Eigenkapital belief sich auf rund 8,57 Milliarden US-Dollar. Für das gesamte Jahr 2025 prognostiziert Robinhood angepasste Betriebskosten von etwa 2,28 Milliarden US-Dollar – leicht höher als ursprünglich erwartet, vor allem aufgrund steigender Mitarbeiterboni infolge der übertroffenen Geschäftsergebnisse sowie fortlaufender Investitionen in neue Geschäftsfelder und Technologieplattformen. Obwohl die Betriebskosten im dritten Quartal um 31 % stiegen, verdoppelte sich der Umsatz – was die Gewinnmargen kontinuierlich verbesserte.
Robinhood blickt optimistisch in die Zukunft: Man spricht von einem „äußerst starken Start“ ins vierte Quartal, da im Oktober die monatlichen Handelsvolumina für Aktien, Optionen, Vorhersagemärkte und Futures sämtlich neue Rekorde erreichten und auch die Margin-Salden ein Allzeithoch markierten. Derzeit verfügt Robinhood bereits über elf Geschäftsbereiche mit einem Jahresumsatz von mindestens 100 Millionen US-Dollar; weitere Vermögensklassen sollen in Kürze hinzukommen.
„Unser Produktansatz zielt darauf ab, Robinhood zu einem ‚Finanzzentrum für die ganze Familie‘ auszubauen“, erklärte Vlad Tenev während der Telefonkonferenz zum Geschäftsbericht. Durch systematische Anpassungen in Organisation, Unternehmenskultur und Technologie sei die Produktumsetzung und -iteration deutlich beschleunigt worden; das zentrale Ziel laute nun „schnelle Produktlieferung“. Derzeit treibt die Plattform mehrere Geschäftsbereiche aktiv voran.
So befindet sich beispielsweise der Vorhersagemarkt-Bereich von Robinhood in einer Phase rascher Expansion: Mittlerweile sind über 1.000 verschiedene Kontrakte online, die Themen aus Sport, Finanzen, Unterhaltung, Kultur und Technologie abdecken. Das Unternehmen steht zudem mit internationalen Regulierungsbehörden – darunter der britischen Financial Conduct Authority (FCA) – im Austausch, um die Machbarkeit eines Offshore-Vorhersagemarkts außerhalb der USA zu prüfen.
Im Bankgeschäft wird schrittweise „Robinhood Banking“ eingeführt, mit dem Ziel, durch ein breites Angebot an Finanzprodukten und -dienstleistungen zur bevorzugten Plattform für Gehaltseingänge der Nutzer zu werden.
Im Investmentbereich bereitet Robinhood derzeit „Robinhood Ventures“ vor und hat hierzu bereits entsprechende Unterlagen bei der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht. Der Fokus liegt dabei auf Investitionen in innovative Projekte, um neue Wachstumstreiber für die Plattform zu erschließen.
Zusätzlich hat Robinhood im Bereich tokenisierter Aktien bereits in über 30 Ländern Geschäftstätigkeiten aufgenommen und das Angebot auf über 400 Produkte erweitert. Als nächster Schritt ist die Einführung entsprechender Handelsmöglichkeiten auf der Bitstamp-Plattform sowie die Integration in das DeFi-Ökosystem geplant.
Neben dem US-Markt plant Robinhood auch eine internationale Expansion und strebt an, innerhalb der nächsten zehn Jahre mehr als 50 % seines Umsatzes außerhalb der USA sowie von institutionellen Kunden zu generieren – um so die derzeit noch stark von Privatkunden dominierte Struktur zu verändern. Dabei setzt Robinhood zunächst auf organisches Wachstum, schließt aber Akquisitionen nicht grundsätzlich aus. Derzeit befindet sich die Internationalisierung allerdings noch in einer frühen Phase.
