Von 2019 bis 2020 hat sich das gesamte Handelsvolumen von NFTs in US-Dollar fast verdreifacht. Laut Daten des Marktforschungsunternehmens DappRadar erreichten die NFT-Verkäufe im ersten Quartal 2021 über 1,5 Milliarden US-Dollar – das Zwanzigfache des Umsatzes aus dem vierten Quartal 2020 und damit der bisherige Höhepunkt der NFT-Entwicklung. Rekordverkäufe im Millionenbereich sorgen immer wieder für Schlagzeilen und ziehen die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit auf sich. NFTs haben nicht nur die Kryptobranche elektrisiert, sondern sind längst auch über deren Grenzen hinaus bekannt geworden.
NFT-Kategorien und ihre Entwicklung
Seit ihrer Entstehung haben sich NFTs zu einem ausgereiften Technologie-Stack entwickelt, dessen Anwendungsschicht immer vielfältigere Bereiche erschließt. Derzeit lassen sich sechs Hauptkategorien unterscheiden: Kunst, Sammlerstücke, virtuelle Welten, Gaming, Utility und Sport.
Die folgenden drei Diagramme zeigen, dass im Jahr 2020 Sammlerstücke, virtuelle Welten und Spiele den NFT-Markt dominierten. Im ersten und zweiten Quartal 2021 wurden die Märkte hingegen vor allem von Sammlerstücken und Kunstwerken beherrscht. Der Sportanteil stieg dabei stabil von 3 % auf 7 % und etablierte sich allmählich als aufstrebende Kategorie.
Die Vorfreude auf das „Sportjahr 2021“
Die Verbindung von Kunst und Technologie ist ein fortlaufender Prozess, und NFTs stellen eine logische Weiterentwicklung dieses Trends dar. Die Kombination von NFTs mit Sammlerstücken oder Kunstwerken hat bereits zahlreiche relativ ausgereifte Projekte hervorgebracht. Andererseits deuten die Leidenschaft und Begeisterung von Sportevents und Sportfans darauf hin, dass der Sportbereich ein nahezu unerschöpfliches Potenzial birgt. Branchenkenner haben diesen Trend erkannt und betreten nun schrittweise den NFT-Raum. Seit dem Auftauchen der ersten sportbezogenen NFT-Projekte im Jahr 2018 wurden bereits über 85 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt, mit insgesamt 480.000 verkauften Einheiten und 18 Millionen aktiven Wallets.
Die untenstehende Grafik macht deutlich: Ab dem vierten Quartal 2020 rückten NFTs allmählich ins öffentliche Bewusstsein, und der Bereich „NFT + Sport“ startete durch – mit einem steilen Anstieg der Verkaufszahlen, der im März seinen Höhepunkt erreichte. Das erste Quartal 2021 verzeichnete insgesamt den höchsten Umsatz, während das zweite Quartal einen leichten Rückgang zeigte. Dennoch liegen alle Werte deutlich – um ein Vielfaches – über denen vor 2020; der Markt hat sich mittlerweile auf einem stabilen Niveau eingependelt.
Warum entwickelt sich der Bereich „NFT + Sport“ so rasant? Das hängt wohl mit der außergewöhnlichen Dichte an Sportevents im Jahr 2021 zusammen. Ursprünglich als eher ruhiges Sportjahr geplant, wurde 2021 durch die Pandemie zu einem äußerst seltenen „Supersportjahr“. Neben den jährlichen Top-Events wie der NBA, den fünf großen europäischen Fußball-Ligen, der Formel 1 und der NFL fanden auch die verschobenen Großereignisse wie die Olympischen Spiele in Tokio, die Europameisterschaft, die Copa América und die Nationalen Spiele Chinas statt. Damit besaß 2021 den dichtesten Sportkalender aller Zeiten – und war zwangsläufig ein Jahr der Fan-Euphorie.
Sportkalender 2021
Laut Google-Suchanfragen (2020–2021) ist das globale Interesse an Basketball und Fußball deutlich höher als an Motorsport und Baseball; zudem ist diese Aufmerksamkeit weltweit nahezu flächendeckend verteilt. Im Gegensatz dazu konzentriert sich das Interesse an Motorsport und Baseball auf bestimmte Regionen. Auch in puncto Social-Media-Aktivität liegt die NBA klar vor Fußball, Major League Baseball (MLB) und American Football; sie verfügt weltweit über mehr als eine Milliarde Fans.
Im Bereich „NFT + Sport“ lassen sich zwei Projekttypen unterscheiden:
Erstens: NFTs kombiniert mit Sport-IPs – darunter sowohl reine Sport-IPs als auch Sportspiel-IPs. Unter den reinen Sport-IPs dominiert Fußball mit der höchsten Anzahl an Projekten; andere Sportarten sind dagegen eher fragmentiert vertreten. Zu den repräsentativen Projekten zählen Sorare, NBA Top Shot, REVV und ZED Run. Bei den Sportspiel-IPs steht Fantasy Sports im Fokus; hierzu gehören Plattformen wie die Blockchain-Spieleplattform Rage.Fan und die dezentrale Sportbörse TradeStars.
Zweitens: Allgemeine NFT-Sport-Anwendungsplattformen, darunter Chiliz (zur Neugestaltung der Fan-Ökonomie), OpusBeat (eine Sportauktionsplattform), SportsIcon (eine Plattform für Sportler-Sammlerstücke) sowie Blocksport (eine App-Plattform für eSports-Clubs).
NFT-Sport-Sammlerstücke nehmen bereits heute eine bedeutende Stellung innerhalb der gesamten NFT-Sammlerstück-Kategorie ein. Bis Anfang Juli stand NBA Top Shot mit einem Gesamtumsatz von über 600 Millionen US-Dollar an der Spitze; seine Höchststände wurden im Februar und März 2021 erreicht, mit jeweils über 200 Millionen US-Dollar Umsatz – der stärkste Einzeltag brachte es auf 45,77 Millionen US-Dollar.
NBA Top Shot stammt vom gleichen Gründerteam wie das frühe Pionierprojekt CryptoKitties – Dapper Labs – und läuft auf der Flow-Blockchain, die bereits eine Wertsteigerung von 3.000 % verzeichnen konnte. Dapper Labs verfügt daher über umfangreiche Erfahrung im erfolgreichen Betrieb solcher Projekte.
Sorare belegt Platz 7 mit einem Gesamtumsatz von über 50 Millionen US-Dollar; Topps liegt auf Platz 12 mit 14 Millionen US-Dollar, und F1 Delta Time rangiert auf Platz 17 mit 5,24 Millionen US-Dollar.
Laut CoinGecko-Daten stiegen die Marktkapitalisierungen der zehn führenden NFT-Token im ersten Halbjahr 2021 deutlich an. Im ersten Quartal verzeichnete Chiliz (CHZ), der führende Token im Segment „NFT + Sport“, einen moderaten Anstieg; im April und Mai folgte ein kräftiger Sprung, bevor es im zweiten Quartal zu einem leichten Rückgang kam. CHZ belegt unter den zehn größten Token nach Marktkapitalisierung Platz 3 mit einer Bewertung von 1,2 Milliarden US-Dollar.
Starke IP-basierte Fan-Ökonomie im Bereich „NFT + Sport“
Die Fan-Ökonomie ist heute zu einem echten „Wohlstandscode“ geworden: Fans mit hoher Kaufkraft unterstützen ihre Idole finanziell – das ist nicht nur in Fangemeinschaften üblich, sondern auch im Sport, wo die Leidenschaft der Fans besonders intensiv sein kann. NBA Top Shot ist ein herausragendes Beispiel für ein NFT-Projekt, das die Fan-Ökonomie optimal nutzt; weitere Beispiele sind Sorare und Chiliz.
Die Essenz des „NFT + Sport-IP“-Modells ist letztlich eine Eigentumsökonomie. Was bringt ein virtuelles, nicht greifbares Sammlerstück? Im Vergleich zur physischen Befriedigung spielt für Fans die Freude am Besitz eine wesentlich wichtigere Rolle. So besteht „NBA Top Shot“ aus kurzen Video-Highlights berühmter Basketball-Stars – „offiziell von der NBA lizenziert und in limitierter Auflage auf der Blockchain geprägt“. Fans sind bereit, dafür Tausende US-Dollar auszugeben. Sobald ein Athlet bei einem Spiel zum Star wird oder seine Karriere beendet, steigen diese NFTs sofort im Wert – daher glauben Fans, dass ihre aktuellen Käufe noch weit unterbewertet sind. Sobald die Assets genügend Aufschlagpotenzial bieten, übertrifft die Aufmerksamkeit der Fans sogar ihre persönliche Vorliebe.
Die junge Konsumentengruppe zeigt durch ihre gestiegene Kaufkraft auch ihre zugrundeliegenden Bedürfnisse: Der Boom der Überraschungspackungen („Blind Boxes“) spiegelt eine Identifikation mit IPs wider; gleichzeitig suchen junge Menschen nach Möglichkeiten, sich frei in virtuellen Welten auszudrücken – was eine Bestätigung ihrer eigenen Identität darstellt. Sie bevorzugen individuelle, maßgeschneiderte Produkte, was eine kulturelle Identifikation mit Individualität und Einzigartigkeit symbolisiert; zudem verfolgen sie aufgrund ihrer vielfältigen Interessen gerne Cross-Over-Kooperationen. Genau diese Merkmale – starke IPs, hoher Virtualitätsgrad, Individualität, Seltenheit, Neuheit und Cross-Over-Vielfalt – vereint die Kombination „NFT + Sport“ perfekt.
Vorteile von „NFT + Sport-IP“-Projekten: Die zugrundeliegenden IPs verfügen bereits über eine große Fangemeinde – kein Aufbau von Null erforderlich. Nachteile: Eine starke Abhängigkeit von den IP-Rechten; sobald die IP-Rechte verloren gehen, sinkt zwangsläufig auch der Wert und die Fangemeinde schrumpft. Daher ist es entscheidend, Fans erfolgreich in Teilnehmer des NFT-Ökosystems zu verwandeln – was wiederum hohe Anforderungen an die Marketing- und Betriebskompetenz des Teams stellt.
NBA Top Shot – Spieler-Highlights
Die untenstehende Grafik zeigt, dass NBA Top Shot mit einem Verkaufswert von 6,89 Millionen US-Dollar das bisher meistverkaufte Sammlerstück aller Zeiten ist. Sorare, ebenfalls ein Projekt, das die Fan-Ökonomie nutzt, belegt mit 460.000 US-Dollar Platz 4.
Kann der Erfolg von NBA Top Shot wiederholt werden? Die nordamerikanische Profi-Eishockeyliga (NHL) erwirtschaftete vor der Pandemie fast das Doppelte des NBA-Umsatzes – doch ihre Social-Media-Aktivität blieb weit hinter der der NBA zurück. Dadurch konnte die NBA den NFT-Vorteil frühzeitig ausspielen. Auch die NHL bemüht sich 2021 aktiv um eine Zusammenarbeit mit Dapper Labs.
Anwendungswerte und Einsatzszenarien von „NFT + Sport“-Projekten
Es gibt verschiedene Wege, wie Sportvereine und -verbände mit Blockchain-Technologie und NFTs zusammenarbeiten können. In der Praxis werden häufig mehrere dieser Ansätze gleichzeitig verfolgt:
- Eigenständige NFT-Emission: Die meisten Teams emittieren ihre NFTs als Spielerkarten auf Sorare; viele Vereine und eSports-Teams nutzen zudem Socios.com für ihre NFT-Emissionen.
- Emission von Fan-Token: Socios.com ist derzeit die führende Plattform für Fan-Token (Socios.com ist die weltweit erste Token-basierte Abstimmungsplattform, initiiert von Chiliz). Fans müssen zunächst CHZ-Token kaufen, um diese dann gegen Fan-Token einzutauschen. So kooperiert etwa der Top-Fußballclub AC Mailand mit Chiliz und hat auf Socios.com den Fan-Token ACM eingeführt.
- Sponsoring und Werbeverträge: Blockchain-Unternehmen finanzieren Teams mit Kryptowährungen – allerdings ist hierbei keine direkte Beteiligung von NFT-Assets erforderlich.
- Technische Partnerschaften: Teams können mit Blockchain-Technologieunternehmen zusammenarbeiten, um Dateninfrastruktur oder Ticketing-Systeme bereitzustellen – beispielsweise wurde die UEFA EURO 2020 offiziell zum globalen Partner der Ant Chain erklärt.
Die Einsatzszenarien von „NFT + Sport“ entwickeln sich schrittweise und umfassen derzeit folgende Bereiche:
Kauf, Sammlung und Verkauf sowie Auktionen von Sammlerstücken (z. B. Spielerkarten); Teilnahme an Spielen und Handel (Kauf von Spielgegenständen, Aufbau von Mannschaften, Bezahlung von Eintrittskarten); Gewinnung von Spielbelohnungen (z. B. Turnierpreise und Spiel-Punkte); exklusive VIP-Erlebnisse vor Ort; Mitwirkung an der Plattform-Governance (z. B. Abstimmungen); Empfehlungsprovisionen für Freunde; Belohnungen für Social-Media-Werbung; Erzielung von Staking-Erträgen und Mining-Belohnungen.
Infrastruktur und ökonomisches Modell von „NFT + Sport“
Einige Experten betrachten NFTs grundsätzlich als eine Protokollschicht oder Middleware zwischen Anwendungsschicht und Infrastrukturschicht. Die verfügbare Infrastruktur für NFTs ist jedoch stark begrenzt – primär stützen sich Projekte auf ERC-721 und ERC-1155 sowie leicht modifizierte Varianten davon. Diese Standards erfüllen grundlegende Anforderungen, doch für komplexere, interaktive oder zusammengesetzte Anwendungsfälle fehlen derzeit universelle Protokolle auf dem Markt. Daher befinden sich die meisten „NFT + Sport“-Projekte noch auf einem einfachen Level: reine visuelle Darstellung und einfache Spiele.
Hinsichtlich des ökonomischen Modells verfügen die meisten „NFT + Sport“-Projekte über vergleichsweise einfache Funktionen – ein noch sehr ursprüngliches ökonomisches System, das sich auf native NFT-Anwendungen stützt und Anreize durch Funktionen wie Darstellung, Handel oder Staking generiert. Neue, abgeleitete Werte durch Interaktionen zwischen verschiedenen Anwendungen sind bisher kaum erschlossen; ein NFT kann daher noch nicht in unterschiedlichen Anwendungen gleichzeitig Wert generieren oder Anreize erhalten. Auf NFT-Marktplätzen lässt sich zwar ein einzelnes NFT handeln, doch komplexe, kombinierte Asset-Werte sind derzeit noch nicht realisierbar. Wir sehen, dass „NFT + Sport“-Assets entweder stark IP-lastig sind oder als Plattform-Token für Sportplattformen fungieren; die Vision einer echten Interoperabilität zwischen Anwendungen bleibt vorerst eine langfristige Perspektive – denn die zugrundeliegende NFT-Infrastruktur ist dafür noch nicht ausreichend entwickelt. Dennoch versuchen einige Projekte bereits, innovative Ansätze zu verfolgen: Rage.Fan etwa erweitert sein Angebot um Liquiditäts-Mining, fügt weitere Sportarten hinzu und baut Partnerschaften mit Vereinen und Verbänden aus.
Wird es eine „Erholung“ geben?
Der starke Aufwärtstrend von NFTs im ersten Quartal 2021 war beeindruckend – doch er enthielt zweifellos Spekulationsblasen. Langfristig muss sich der NFT-Sektor zwangsläufig wieder rationalisieren, was sich bereits im deutlichen Rückgang der Kennzahlen im zweiten Quartal widerspiegelt – ein unvermeidlicher Trend. Zudem sind die Einsatzszenarien von „NFT + Sport“ noch begrenzt, und da die IP-Ökonomie technisch wenig anspruchsvoll ist, besteht die Gefahr einer Überbewertung. Selbst innerhalb des NFT-Sektors befindet sich „NFT + Sport“ noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase – doch ihr Potenzial ist zweifelsohne riesig.
Der Wert eines NFTs ergibt sich aus seinem inneren Wert, seinem Nutzwert sowie einer Aufschlagskomponente. Derzeit verringert sich der Aufschlaganteil. Falls sich die Technologie jedoch weiterentwickelt und neue Durchbrüche erzielt, könnten die finanziellen und derivativen Eigenschaften von NFTs deutlich vielfältiger werden – womit sich möglicherweise eigene „Schutzgräben“ („moats“) aufbauen ließen. Dadurch würde die Verbindung zur realen Welt weniger anfällig für Blasenbildung werden. Denn immer mehr Vereine, Teams und Stars beteiligen sich bereits an diesem Krypto-Spiel und emittieren ihre eigenen NFTs – ein Markt mit beachtlichem Volumen. Wenn man diesem Markt also noch etwas Zeit lässt, könnte sich eine florierende Marktentwicklung und eine breitere Akzeptanz von NFT-Assets außerhalb der Krypto-Community ergeben – und dann wäre die „Erholung“ vielleicht gar nicht mehr fern.
